Artikel ·Gedanken

Wie du Hürden im Leben überwinden kannst

Heute morgen am Stall habe ich den sonst so stolzen Hahn beobachtet, wie er auf einem Strohballen stand. „Was für ein schönes Motiv“ dachte ich und zückte mein Handy, um ein Foto von ihm zu machen.

Als er mich bemerkte und ich ihm näher kam, sah ich, wie er nach einem Weg suchte, sich aus der für ihn unangenehmen Situation zu befreien. Er tippelte auf dem Strohballen herum, erst nach links, dann nach rechts, drehte seinen Kopf zu allen Seiten und sprang dann über die Schubkarre, mutig und entschlossen.

Was hat das jetzt mit Hürden überwinden zu tun?

Hürden sind immer wieder in meinem Leben aufgetaucht und das werden sie auch weiterhin, da mache ich mir nichts vor.

Der Hahn hat mir gesagt: „ Du kannst jede Hürde überwinden, du musst nur einen Weg finden“.

Hürden machen mir Angst, schüchtern mich ein, lassen mich zurück schrecken und verzweifeln weil ich merke, es ist mit Anstrengung und Arbeit verbunden sie zu überwinden und hinter mir zu lassen.

Es bedeutet raus aus meiner Komfort Zone zu gehen. Es benötigt Mut etwas zu wagen, was ich bisher noch nie gewagt habe. Ich könnte mich verletzen, jemand könnte mich verletzen, ich könnte Zeit verschwenden. Das kann mich schon mal in eine Art Schockstarre bringen, eine Blockade nach der anderen türmt sich auf, was zu der eigentlichen Hürde noch zu weiteren Hindernissen führt.

Was wäre jedoch, wenn ich diese aus einem anderen Blickwinkel betrachte, mich frage, ob sie wirklich so unüberwindbar sind, wie es gerade scheint? Ob sie wirklich so groß und furcht einflößend sind, so dass mein erster Impuls ist, die Beine in die Hand zu nehmen und davor wegzurennen?

Und schon sehe ich die Situation ganz anders.

Aus dem Fluchtmodus wird Kampfgeist.

Hürden zu überwinden beginnt mit dem Weg, nicht mit der Angst. Denn die Angst kommt erst, wenn ich einen Blick auf den Weg werfe, der vor mir liegt, wenn ich diese Hürde angehen möchte.

  • Wie sieht der Weg für mich aus, den ich gehen muss?
  • Muss ich ins kalte Wasser springen?
  • Muss ich Steine aus dem Weg tragen, die den Weg versperren?
  • Gabelt sich der Weg?
  • Führt der Weg über eine wackelige morsche Holzbrücke?

Hürden haben viele Gesichter.

Wenn ich ins kalte Wasser springen muss

Ich bin eher so der Typ, der den kleinen Zeh ganz vorsichtig ins Meer, in den See oder in den Pool hält und dann kreischt „Iiiiih kalt“, um den Zeh dann ganz schnell wieder aus dem Wasser zu ziehen. Was mich trotzdem voran treibt, ist zuerst einmal das Wissen, dass ich schwimmen kann, nicht gut, aber ich gehe nicht unter. Könnte ich nicht schwimmen, würde ich mir Schwimmflügel besorgen.

Gehe ich einmal davon aus, es ist Sommer, weiß ich, dass es herrlich erfrischend ist, ins kalte Wasser zu springen, auch wenn mir zuerst vielleicht die Luft wegbleibt, weil es so scheiße kalt ist…im ersten Moment! Und das ist der springende Punkt. Ja, im ersten Moment ist es unangenehm. Aber dann, wenn dieser erste Moment vorbei ist, fühle ich mich wohl.

Sollte ich jedoch in der kalten Jahreszeit ins Wasser springen müssen, stelle ich mir vor, dass da ein Mensch oder ein Tier in Gefahr wäre, welches es zu retten gilt. Würde ich dann ins kalte Wasser springen um das Leben dieses Menschen oder Tieres zu retten? Ja, das würde ich. Wieso springe ich also nicht für mich selbst ins Wasser, wenn ich bereit bin, mich für andere in Gefahr zu bringen?

Bin ich es mir selbst nicht wert?

Ich sehe mich ertrinken, aber ich stehe da am Ufer und unternehme nichts? Echt jetzt? Nein, ich bin mutig und springe, denn ob ich es schaffe mich zu retten oder nicht, kann ich erst feststellen, wenn ich es probiert habe.

Alles andere ist reine Spekulation.

Wenn ich Steine aus dem Weg tragen muss, die viel zu schwer erscheinen.

Ich kann mich entweder abrackern und mir die letzte Kraft rauben, oder ich kann mir Hilfe suchen.

Hilfe in Form von Menschen, die mir Tipps geben können, wie diese schweren Brocken aus dem Weg zu räumen sind, die mich mit ihrer Kraft und Motivation unterstützen können. Vielleicht ist da draußen ja irgendjemand, der sagt, dass er mir seinen Bagger leihen kann, um die Steine zur Seite zu schaffen.

Ich werde mir bewusst, dass es in Ordnung ist, wenn ich mir Hilfe suche, in der Form, wie ich sie benötige. Ich muss nicht alles alleine schaffen.

Auch um Hilfe zu bitten kann Angst machen und erfordert Mut. Hier muss ich über meinen eigenen Schatten springen, denn in meinem Kopf ist immer noch konditioniert, dass um Hilfe zu bitten eine Schwäche ist. Völliger Quatsch, ich habe die Stärke, mir selbst und anderen zu sagen, dass ich Hilfe benötige.

Wenn sich der Weg gabelt

Oh Nein, ich weiß nicht, in welche Richtung ich gehen soll, was ist, wenn ich in die falsche Richtung gehe, mich verrenne?

Dann gehe ich zurück zur Wegkreuzung und laufe in die andere Richtung. Eventuell sehe ich auf dem vermeintlich falschen Weg Dinge, die mir Inspiration liefern, vielleicht treffe ich Menschen, die mir Impulse geben können. Es gibt immer irgend etwas, dass ich mitnehmen kann und dann gehe ich in die andere Richtung. Vielleicht ja auch, um durch den Richtungswechsel festzustellen, dass der vermeintlich falsche Weg gar nicht so falsch war.

Wer weiß dass schon, das Leben ist voller Überraschungen.

Wenn der Weg über eine wackelige, morsche Holzbrücke führt

Ich stelle mir vor, dass schon Menschen vor mir über diese alte knarrende Brücke gelaufen sind, lange bevor sie so morsch geworden ist. Weil die Brücke marode ist, kann ich jetzt nicht mehr darüber laufen? Schade eigentlich,

aber dann ist das eben so…

Dieser Gedanke ist mir zu einfach. Auch hier ist es möglich, andere um Hilfe zu bitten, entweder mit Tatkraft oder mit Material. Eventuell stehen ja auch schon andere vor dieser Brücke und wissen nicht, wie sie es schaffen sollen, darüber zu laufen. Dann kann ich mich mit ihnen zusammenschließen und sie reparieren.

Es gibt noch unendlich viele Gegenargumente, eine Hürde überwinden zu können, doch am Ende ist die Wahrheit:

Es gibt immer eine Möglichkeit, ich muss es nur tun.

Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, zu scheitern. Doch auch daraus kann ich etwas positives mitnehmen, dass nenne ich dann Erfahrung. Verlieren kann ich am Ende nichts, ich kann nur gewinnen. Entweder ich habe Erfolg, oder ich habe gelernt, dass manchmal auch etwas nicht funktioniert. Ein Entweder – Oder gibt es nur, wenn ich den Mut habe es zu versuchen.

Wenn ich nichts tue, ändert sich nichts.
Alles hat seine Konsequenz.
Ich habe die Wahl.

Sei herzlichst gegrüßt

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Ich werde grau

„Ein graues Haar, wieder geht ein Jahr…“ höre ich Hartmut Engler von Pur in meinem Kopf singen.

Als ich mich im Februar dieses Jahres dazu entschieden habe, meine Haare nicht mehr zu färben und dies auch nach Außen kommuniziert habe hörte ich Sätze wie:

Echt? Boah ist das mutig“ oder „Aber dann wirkst du doch viel älter“

Warum ist es mutig, der Natur der Dinge Ihren Lauf zu lassen und nicht nur zum eigenen Alter, sondern auch zum Alter generell zu stehen?

Ich werde nächsten Monat 47 Jahre alt, warum darf ich keine grauen Haare haben, geschweige denn sie zeigen und das mit Stolz? Ab wann darf ich denn graue Haare haben? Wer bestimmt darüber?

Es ist zum einen die Konditionierung, die in meinem Kopf ist, zum anderen die Werbung und die sozialen Medien, die mir suggerieren so lange wie möglich jung, frisch und spritzig zu erscheinen.

Dann wiederum kommt irgendwann die Zeit, in der ich mich lächerlich mache, wenn ich meine Haare noch färbe. Ich erscheine eitel, wenn ich mir mit 80 Jahren noch brünett bin. Das ist doch absurd.

Mittlerweile ändert sich die Wahrnehmung in Bezug auf natürliche „graue“ Haare, wenn sie auch noch längst nicht in allen Köpfen angekommen ist. Ausschlaggebend hierfür ist vielleicht auch Birgit Schrowange, die sich plötzlich und völlig unerwartet mit grauen Haaren und neuer Frisur zeigte. Und damit war sie tatsächlich für eine ganze Zeit Gesprächsthema in Deutschland. Als wenn es nichts wichtigeres geben würde. Das, was wichtig an der „Verwandlung“ von Frau Schrowange ist, ist die Erkenntnis, dass es erlaubt ist, zu dem zu stehen, was man ist, wer man ist, sich nicht mehr zu verstecken und der ewigen Jugend hinterher zu rennen.

Denn ich definiere mich doch nicht wirklich über das Äußere. Jugendlichkeit, Spritzigkeit und Elan vermittele ich mit meinem Wesen, es heißt nicht umsonst, man ist so alt wie man sich fühlt. Ich lasse mir nichts einreden. Zudem ist es völlig in Ordnung, dass ich kein junger Hüpfer mehr bin. Ich bin stolz auf meine Erfahrung, die ich in all den Jahren sammeln durfte, die eben diesen jungen Hüpfern fehlt. Ebenso lasse ich mir nicht mehr einreden, dass ich ab einem gewissen Alter bestimmte Dinge nicht mehr tun sollte. Ich bin wie ich bin und das ist gut so.

Ich bin gut so, wie ich bin.

Doch wieso schreibe ich das hier eigentlich?

Irgendwann, als ich mir den verblassenden weißen Ansatz meiner Haare angesehen habe und die übliche Erkenntnis, die Millionen von Frauen kennen in mir aufkam, dass es Zeit wird, meine Haare wieder zu färben, hörte ich eine Stimme in mir fragen:

„Warum eigentlich“?

Ich hörte in mich hinein und mein Verstand kam zu folgendem Ergebnis:

Ich sehe alt aus mit grauem Haar.
Ich sehe ungepflegt aus, mit dem sich zeigendem Ansatz von grauem Haar.
Man sieht, dass meine Haare gefärbt sind.

Dann horchte ich tiefer in mich hinein, in meinen Bauch und der teilte mir folgendes mit:

Steh doch zu dir und deinem wahren Äußeren.
Verstecke dich nicht mehr vor anderen und erst recht nicht vor dir Selbst.
Sei stolz auf dich und deine grauen Haare.
Es sind nur Haare.
Du bist nicht deine Haare.

Und seit diesem Moment an freue ich mich über jedes neue nicht pigmentierte Haar, über jede Strähne, die zum Vorschein kommt und mich zu etwas besonderen macht. Denn kein ergrauter Kopf gleicht dem anderen, jeder für sich ist einzigartig und das ist gut so!

Ich möchte niemanden anklagen oder Schwäche unterstellen der sich weiterhin die Haare färbt, ich habe es ja selbst Jahrelang getan. Ich möchte lediglich einen Impuls senden, sich zu fragen, aus welchem Grund man sich die ergrauten Haare färbt. Wenn du dich mit den gefärbten Haaren einfach wohler fühlst, so ganz für dich selbst und nicht, weil andere sonst denken könnten….dann mach das.

Wenn es aber nicht so ist, trau dich und lass der Natur ihren Lauf. Es ist sehr befreiend.

Liebe Grüße

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Zeit

Letztens musste Hope wegen eines kleinen Zipperleins mal wieder zum Arzt und ich habe sie auf die Waage gehen lassen. Sie hat merklich abgenommen, auch so ein Zeichen des Alters. Steif ist sie geworden, wenn sie gelegen hat und aufsteht und ihre kleinen süßen Knopfaugen sind trüb geworden. Als wir also aus dem Behandlungszimmer herauskamen,… Weiterlesen Zeit